KGW's Rundschreiben März 2019

 

 

Deutschland in Europa und der Welt

Wer in die Reinhardtstraße nach Berlin fährt, kann sich die rückwärts laufende Uhr ansehen, die der Bund der Steuerzahler installiert hat. Mehr als 1.920 Mrd. € zeigt sie aktuell an. Bei guter Konjunktur und embryonalen Zinsen freut sich der Staatshaushalt und die Schulden schmelzen schneller. Werden (wie vorausgesagt) in nächster Zeit die Wachstumsraten schrumpfen, ist die Politik gefragt, um gegen zu steuern. Ökonomen empfehlen Deutschland (wie es nicht nur die USA vorgemacht haben), sich zu verschulden. Kürzlich redete Olivier Blanchard (ehemaliger Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds) zum Thema „Staatsschulden in Zeiten von Niedrigzinsen“. In Deutschland haben wir die Schuldenbremse in der Verfassung verankert. Der Bund darf seit 2016 bis 0,35% pro Jahr vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) aufnehmen. Die Länder dürfen ab 2020 im Normalfall (Ausnahmen z.B. Naturkatastrophen) keine Schulden machen. Darin sehen viele eine Bremse für Steuersenkungen und Investitionen. Würde das Korsett gelockert, könnten die schuldenfinanzierten Kredite in die Digitaltechnik, Bildung, Infrastruktur u.a.m. fließen, sodass die Wirtschaft erneut wächst und die Steuereinnahmen steigen. Dann gebe es erneut Spielraum für Steuersenkungen. Wenn die Zentralbanken die Zinsen auf nahezu null halten, wäre die Verschuldung des Staates ebenfalls null, sodass man theoretisch Steuern senken könnte oder investieren. Würde der Markt für Staatskredite einen Zinsdienst fordern, könnte man den auf den Steuerzahler abwälzen. Als Schlussbetrachtung kann man festhalten: Die Nullzinspolitik bewirkt, dass die Schulden von heute die Steuern von morgen sind.

Die GroKo (große Koalition) gibt es seit gut einem Jahr und die Pessimisten sehen sie bröckeln, weil man kaum Bewegung bei Abarbeitung der XXL-Themen wie Flüchtlingspolitik, Digitalisierung, Bürokratieabbau, Alterssicherung, Steuerreform, Wegfall Soli u.a.m. sieht. Eine neue Regierung (mit neuen Gesichtern) würde auch einiges verändern. Die Frage aber bleibt, ob die es besser machen würde. Auf jeden Fall wäre das eine Jahr der jetzigen GroKo verlorene Zeit.

Mitte dieses Monats schrieb die Wirtschaftswoche, dass die Steuerzahler 788 Mrd. € seit dem Amtsantritt von Angela Merkel gespart hätten, wenn die Steuerquote auf dem Niveau von 2005 läge. Deutschland ist Steuerhochburg. Die letzte Unternehmenssteuerreform liegt 11 Jahre zurück. Wenn man den Prognosen glaubt, gibt es dringenden Handlungsbedarf, damit Investitionen angereizt und Arbeitsplätze gesichert werden. Da Deutschland Facharbeiter fehlen, muss das noch Ende des letzten Jahres gebilligte Gesetz zur Einwanderung von Fachkräften auch umgesetzt werden. Familienunternehmen sind die Seele der deutschen Wirtschaft und künftig sollten Gängeleien der Politik, überbordende Bürokratien und ständig neue Belastungen der Vergangenheit angehören. Die deutsche politische Führungsriege sollte sich bewusst sein, dass Unternehmen der Jobmotor der Wirtschaft sind.

Wir alle wissen aus den Medien, dass 2021 der letzte A380 von Airbus ausgeliefert wird. Es sollte an dieser Stelle erwähnt werden, dass das Restdarlehen nicht zurückgezahlt wird. Der Darlehensgeber war der Staat und deshalb muss der Steuerzahler für das Prestigeobjekt „bluten“ und zahlen.

Beim „Hausbau-EU“, das ist uns heute bekannt, hatten die Gründungsväter (Konrad Adenauer, Alcide De Gasperi, Robert Schuman) nicht die richtige Statik. Von einer stabilen Bauweise ist man weit entfernt, obwohl man schon Jahrzehnte an der EU-Wirtschafts- und Währungspolitik „bastelte“, hat man im Ergebnis nur eine einzige einheitliche Währung (den Euro) als gemeinsames Ergebnis zustande gebracht. Die Krise, die ab 2007 den Finanzsektor erfasste, hat die Baumängel schonungslos aufgedeckt und das auf wackeligen Füßen stehende „Haus EU“ fast zum Einsturz gebracht. Schuld waren nicht die Peripheriekrisen (ähnlich Mexiko 1994 / Asien 1997/98 / Russland 1998 / Brasilien und Argentinien 2000/2001 sowie auch die Krise in der Türkei). Die Finanzkrise, die Europa ergriff, ging von der Hypothekenkrise in den USA aus. Menschen (wie gierige Politiker und dumme Investoren), „blinde“ Aufsichtsräte und kriminelle Elemente haben nicht nur kleine (Sparer), sondern auch große Existenzen mit zig Milliarden € belastet. Der internationale Währungsfond hat für den Zeitraum 2007 bis 2014 den weltweit entstandenen Schaden auf 21 Billionen US$ geschätzt. Die europäische Staatengemeinschaft wurde dadurch an einem Zusammenwachsen gehindert und kämpft auch heute noch um den Zusammenhalt. Länderweit haben Banken (gemeint sind deren Vorstände), Aufsichtsbehörden, Politiker und andere mehr nicht nur volkswirtschaftlichen Schaden angerichtet, sondern insbesondere Vertrauensschaden. Der Glaube an die Solidität europäischer Banken muss mit viel Feingefühl wiederhergestellt werden. Die Daseinsvorsorge der Europäer ist erschüttert. Es haben sich Populismus, Fremdenfeindlichkeit, sozialer Zynismus in Europa breitgemacht. Deshalb ist es an der Zeit, nationalen Egoismus für ein gemeinsames Europa aufzugeben. Eine umfassende Reparatur des „EU-Hauses“ steht an.

In Kurzfassung:

·         Stabilisierung der Euro-Währung

·         Ausgewogenes Wirtschaftswachstum mit stabilen Preisen

·         Wettbewerbsfähige soziale Marktwirtschaft

·         Vollbeschäftigung

·         Sozialer Fortschritt in allen Ländern

·         Einhaltung der sich selbst vorgegebenen Regeln

·         Steuerung der Finanz- und Wirtschaftspolitik auf EU-Ebene

·         Jedes Land muss einen konjunkturzyklischen und fiskalpolitischen Puffer anlegen

Wenn man aus der Vergangenheit gelernt hat, kann man nur gemeinsam an einer europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (der zweitgrößten der Welt) arbeiten. Die Europäer müssen zusammenrücken, damit sie der Machtpolitik der USA und Chinas etwas entgegensetzen können. Bereits 2017 hielt Emmanuel Macron die berühmte Sorbonne-Rede und Anfang dieses Monats richtete er einen erneuten Appell an Europa, weil er die EU in großer Gefahr sieht. Und die innere Zerstrittenheit der europäischen Länder nutzt Peking geschickt aus und wird in seiner Reise in Kürze nach Griechenland, Italien und Frankreich monetäre Mittel für diese Länder mitbringen.

Wie groß die Europaverdrossenheit der Bürger ist, wird die in Kürze stattfindende Europawahl zeigen.

Die Edelstahl- und Rohstoffmärkte

„Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen …“ - so sagt der deutsche Volksmund. Das kann man auch auf den Edelstahl-Rostfrei-Markt ummünzen. So richtig ist es nicht zum Klagen, aber man wäre auch nicht böse, wenn der Auftragseingang (und die Erlöse) besser wären. Für die Edelstahl-Rostfrei-Branche hat man in Relation zu 2018 in diesem Jahr erneut ein Wachstum prognostiziert, von dem man im Augenblick aber noch wenig spürt.

Auch wenn der Nickel im Augenblick etwas schwächelt, ist eindeutig eine Wachstumsdynamik zu erkennen. Die steigende Bedeutung der Elektromobilität sowie die gedrosselten Förderungen auf den Philippinen werden noch in diesem Jahr den Preis spürbar steigen lassen. Dieser Trend wird sich fortsetzen. Darüber hinaus spielt der Abbau der Lagerbestände in London und Shanghai eine wesentliche Rolle. Der Preis für Ferrochrom ist quartalsweise (also bis Ende dieses Monats) festgeschrieben. Wir werden über den Fixpreis für das 2. Quartal 2019 berichten. Was wir heute schon sagen können, ist, dass es einen Preisanstieg gibt. Der Molybdän-Preis ist seit geraumer Zeit stabil und mit einem Absinken ist ebenfalls nicht zu rechnen. Aus den nachstehenden Tabellen ist ersichtlich, dass die Effektivpreise (Grundpreis und LZ) in nächster Zeit nur steigen können.

Währungen und Rohstoffe im Vergleich

Datum

Devisenkurs

Kassapreis

3 Monats-Preis

Nickel-Bestand

dt. Kassapreis

dt. Kassapreis

€ / US-$

Nickel (LME)

Nickel (LME)

LME to

Nickel €/100 kg

Molybdän €/100 kg

04.01.2016

1,0790

8.515

8.565

441.342

781

1.101

03.01.2017

1,0416

10.205

10.270

372.066

982

1.468

02.01.2018

1,2005

12.690

12.730

366.612

1.052

1.326

02.01.2019

1,1448

10.440

10.530

206.400

915

2.280

01.02.2019

1,1454

12.460

12.550

201.702

1.087

2.268

01.03.2019

1,1388

13.160

13.245

196.782

1.157

2.285

27.03.2019

1,1251

13.025

13.100

183.126

1.156

2.661

Legierungszuschläge für rostfreie Bleche und Bänder

W-Nr.

Tiefste LZ

Höchste LZ

Jan

Feb

Mrz

Apr

Mai

Jun

Jul

Aug

Sep

Okt

Nov

Dez

2018

2018

2019

2019

2019

2019

2019

2019

209

2019

2019

2019

2019

2019

Monat

€/to

Monat

€/to

€/to

€/to

€/to

€/to

€/to

€/to

€/to

€/to

€/to

€/to

€/to

€/to

4016

03/18

620

07/18

735

664

606

627

641


 

 

 

 

 

 

 

4113

02/18

822

07/18

944

888

816

833

867


 

 

 

 

 

 

 

4301

01/18

1.290

07/18

1.647

1.274

1.228

1.351

1.430


 

 

 

 

 

 

 

4404

01/18

1.844

07/18

2.416

1.976

1.903

2.051

2.197


 

 

 

 

 

 

 

4509

03/18

733

07/18

851

797

739

759

774


 

 

 

 

 

 

 

4521

01/18

1.081

09/18

1.265

1.217

1.131

1.143

1.198


 

 

 

 

 

 

 

4539

01/18

3.184

07/18

4.309

3.450

3.358

3.654

3.936


 

 

 

 

 

 

 

4571

01/18

1.865

07/18

2.448

1.997

1.925

2.076

2.224


 

 

 

 

 

 

 

Legierungszuschläge Präzisionsband

W-Nr.

Tiefste LZ

Höchste LZ

Jan

Feb

Mrz

Apr

Mai

Jun

Jul

Aug

Sep

Okt

Nov

Dez

2018

2018

2019

2019

2019

2019

2019

2019

209

2019

2019

2019

2019

2019

Monat

€/to

Monat

€/to

€/to

€/to

€/to

€/to

€/to

€/to

€/to

€/to

€/to

€/to

€/to

€/to

4016

03/18

744

07/18

882

797

727

752

769


 

 

 

 

 

 

 

4301

01/18

1.548

07/18

1.977

1.529

1474

1.621

1.716


 

 

 

 

 

 

 

4310

01/18

1.466

07/18

1.855

1.447

1390

1.523

1.610


 

 

 

 

 

 

 

4310 Mo

01/18

1.554

07/18

1.977

1.593

1526

1.654

1.754


 

 

 

 

 

 

 

4404

01/18

2.212

07/18

2.900

2.371

2283

2.461

2.636


 

 

 

 

 

 

 

Edelstahlschrott

W-Nr.

Tiefste LZ

Höchste LZ

Jan

Feb

Mrz

Apr

Mai

Jun

Jul

Aug

Sep

Okt

Nov

Dez

2018

2018

2019

2019

2019

2019

2019

2019

2019

2019

2019

2019

2019

2019

Monat

€/to

Monat

€/to

€/to

€/to

€/to

€/to

€/to

€/to

€/to

€/to

€/to

€/to

€/to

€/to

Cr-Stähle

(VF*)

z.B. 4016

11/18

380

05/18

430

320

350

350

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ni-Stähle

(V2A*)

z.B. 4301

03/17

870

04/17

1.230

940

1.050

1.100

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Cr-Ni-Mo-Stähle (V4A*)

z.B. 4404/4571

01/18

1420

04/18

1.690

1.420

1.500

1.600

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Alle Preise in €/to

* Markennamen ThyssenKrupp Nirosta/ Outokumpu Nirosta 

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